Manuel Braun

ASSISTANT DIRECTOR / PHOTO TAKER / LIFE LOVER

Antigone

Kommentar: Theater und Internet / Motivation „Antigone“

Was mich während meiner Recherche am meisten erstaunt hat ist, dass Leute die sich als digital Natives bezeichnen würden und rund um Kunst und Kultur alles konsumieren und sich als neugierig beschreiben dennoch ein sehr altes verstaubes Bild von Theater haben. Ja große Berührungsängste ganz nach dem Motto „Kein Spaß im Museum ohne Kunststudium“. Theaterkritik die ja auch meist nur im Feuilleton stattfindet und selten auf privaten Blogs bekräftigt diese Wahrnehmung.
Das heißt dass wir es aktuell nur spärlich geschafft haben im Internet zu zeigen was wir hier für geile Dinge tun. Und das obwohl mittlerweile jedes Theater einen Twitter und Facebookaccount bedient. Aber das Internet ist keine Litfaßsäule. Es reicht nicht dort nur ein Poster aufzuhängen und den Spielplan auszulegen.
Und sind wir wirklich so interdisziplinär wie wir uns das wünschen? Wieso eröffnet Alexander Kluge nicht die re:pulica und Sascha Lobo das Berliner Theatertreffen? Stattdessen predigen die Propheten immer nur zum eigenen Volk. Und das ist schade, denn dem Festival hätte es sehr gut getan wenn dort jemand mit Nachdruck gesagt hätte dass wir hier ein bisschen zu brav sind, dafür dass gerade unsere Grundrechte verletzt werden und wir uns in einem internationalen Überwachungshorrorszenario befinden. Dass es schon lange keinen Grenzen zwischen analog und digital mehr gibt da auch wir im Theater Emails schreiben und am Smartphone recherchieren und dass soviele Dinge im argen liegen derer man nicht müde werden darf auf sie hinzuweisen und dagegen anzugehen.
Und ganz pragmatisch gesehen, wer soll es sonst tun? Wer soll Fragen aufwerfen und der Gesellschaft unangenehm im Nacken sitzen wenn sie es sich wieder zu bequem gemacht hat – wenn nicht das Theater! Der deutsche Film? Die bildende Kunst? Ja, natürlich auch die, aber ist Theater nicht sowieso eine Wirkungsstätte all dessen zusammen?
Was klar ist, ist, dass wir hier etwas haben, das in dieser Welt ziemlich einzigartig ist. Wir haben uns übers ganze Land hindurch Institutionen geschaffen in denen wir gemeinsam einen Blick auf unsere Gesellschaft werfen. Unsere Theaterlandschaft. Also Orte an denen Dramaturgen, RegisseurInnen, Masken- KostümbildnerInnen, Ton- und Videoabteilungen und viele andere kreative, kluge Köpfe zusammenkommen, und die sich über Jahrzehnte hinweg an nichts anderem abgearbeitet haben als daran Menschen Denkanstöße zu geben, ihnen einen Spiegel vorzuhalten, oder was auch immer das Theater sonst noch so wollte und will.
Und um genau das weiterhin tun zu können, Mensch zu erreichen – und nicht nur hauptsächlich die in den eigenen Hallen auf dem Parkett – müssen wir unseren Theaterbegriff erweitern. Und dafür muss man lediglich die Idee des Theaters von seinem Substrat abstrahieren. Das Theater als geistige Idee, nur die Mittel sind andere. Es ist immer noch Theater nur die Form ist andere oder eine hybride.

Ich habe ein Filmprojekt gemacht in dem ich versuchte genau diese Möglichkeiten auszuloten. Als Grundlage ein griechischer Theaterstoff, am Stück ohne Schnitt als One-Shot gedreht, mit Theatermitteln wie sichtbaren Umbauten und chorischem Sprechen. Ein Film der von der Behauptung lebt anstatt von einem 3-D Hochglanzwahn, eine 360 Grad Mini-Inszenierung, die danach online zu sehen sein wird.
Doch was bereits Herbert Fritsch bei seinem Hamlet_X Projekt wusste: „Wehe jedoch dem, der ein Kunstprojekt realisiert, das sich genau dazwischen bewegt. Jede Vermittlungs-anstalt wird begeistert sein und an die nächste verweisen: das Theater zum Kino, das Kino zur Galerie, die Galerie zum Theater.“
Für mich aber bleibt es Theater, Theater das mit einem anderen Mittel gemacht wurde. Ein Mittel das man objektiv als Film bezeichnen würde. Aber da für mich Theater mehr eine Idee als eine Ausdrucksform ist, ist das für mich die Vollendung der Abstrahierung. Also eine sehr subversive Herangehensweise.
Deshalb sage ich sind solche Produkte wie dieser Film: Theater, weil ihnen der Geist des Theaters innewohnt. Sie sind sogar mehr Theater als eine abgefilmte klassische Theater Inszenierung. Und wenn nun Theater neben dem geographischen Raum allen voran eine geistige Heimat ist, ein geistiger Treffpunkt, dann ist das Internet eigentlich prädestiniert für das Theater. Und das Theater hat es immer gegeben und es wird es immer geben. Und natürlich auch genau in der Form wie wir es jetzt kennen. Weil diese Einzigartigkeit des, ich nenn es jetzt mal „haptischen Theaters“ unersetzlich bleibt. Und es das Bedürfnis danach immer geben wird.
Aber das Theater wird und muss sich erweitern um seinem ursprünglichen Sinn wieder gerecht zu werden. Nämlich alle Menschen zu erreichen. Nicht nur den analogen oder den digitalen weil es diese Grenzen es ja sowieso nicht gibt. Sondern einfach Menschen erreichen zu wollen egal durch welche Form anstatt sie mit Postern in einen Raum locken zu wollen den viele vorerst für elitär und verstaubt halten.

Und wenn man diese Grenzen nun aufweicht, dann bekommt man plötzlich statt Werbung einen Inhalt den man ins Internet stellt. Dann werden die Theater plötzlich erkennen welch unfassbar schöne neue Spielstätte das Internet für sie ist. Dass es mehr als ein Raum ist um dort Poster aufzuhängen und das Gästebuch auszulegen, sondern weltweite Bretter, die es zu bespielen gilt. Ein geistiger Ort den jeder erreichen kann, zurück in die Mitte der Gesellschaft um dort zusammen zu kommen, ein Ort an dem Berührung stattfindet um Berührungsängste abzubauen um sich im besten Fall danach in der Mitte der Stadt in einem Theatersaal wiederzufinden.

Theater Vagen – Philemon und Baukis

Theater im Stadl: Manuel Braun inszeniert „Philemon und Baukis“ in Vagen

Ein Theaterabend über Ängste und Sehnsüchte, den Verlust von Heimat und Nächstenliebe als ewig gültiges Thema: Mit „Philemon und Baukis – Ein Heimatabend“ von Leopold Ahlsen inszeniert der junge Regisseur Manuel Braun erstmals nach vier Jahren wieder ein Theaterstück in seiner oberbayrischen Heimat Vagen. Premiere ist am 9. August im Vagener Kolbstadl, der vom eigens gegründeten Kunstverein Kunst‐ und Kulturraum Vagen e.V. zu einer außergewöhnlichen Bühneninstallation umgewandelt wird.

Nach Stationen u.a. am Münchner Volkstheater und am Badischen Staatstheater Karlsruhe inszeniert Manuel Braun nun wieder in Vagen. Inhaltlich widmet sich die Inszenierung ausgehend vom antiken „Philemon und Baucis“‐Mythos dem Begriff „Heimat“: „In Bayern ist der Begriff ‘Heimatabend’ klar definiert. Es geht um Hackbretter und Trachten, doch wir wollen den Begriff weiter ausdehnen und schauen welche Sehnsüchte, Ängste, Freuden und Schmerzen mit dem Begriff einhergehen. Wir tun das in einem sehr konservativ geprägten,
urbayrischen, streng katholischen Ort zwischen München und Salzburg“, so Regisseur Braun.
Als Vorlage dient ein Stück des preisgekrönten Münchner Dramatikers Leopold Ahlsen. Packend, mit skurriler Komik und doch hochemotional erzählt dieser Abend von dem einfachen Ehepaar Nikos und Marulja, dessen Leben auf eine harte Probe gestellt wird, als
eines Tages ein verwundeter Soldat an ihre Türe klopft.
Nach der höchst erfolgreichen Produktion von „Der Weibsteufel“ im Jahr 2010 kommen nun die Beteiligten von damals für „Philemon und Baukis – Ein Heimatabend“ erneut zusammen. Die männliche Hauptrolle wird wieder von dem Film‐ und Theaterschauspieler Hans Schuler
(„Wer früher stirbt ist länger tot“, „München 7“, „Brandner Kasper“ im Münchner Volkstheater), übernommen. Auch Sara Victoria Sukarie (Schauspiel Berlin) ist wieder mit dabei und übernimmt dieses Mal gleich mehrere Rollen.

Atmosphärischen Spielort und einzigartigen Rahmen für diesen Theaterabend bildet der Vagener Kolbstadl. Die Musik stammt von Helmut Braun. Bühne und Kostüm wird erneut Jakob Gilg (Akademie der Bildenden Künste München) gestalten.

Premiere ist am 9. August
Weitere Termine sind: 10./16./17./23./24/30. & 31. August
Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

Für das leibliche Wohl ist gesorgt.
(Der Stadl ist schlecht beheizbar, deshalb sollte bei kaltem Wetter daran gedacht werden,
sich warm anzuziehen.)

Karten gibt es via Telefon unter: 08062/5567
im Internet www.kunst‐kulturraum.de
oder direkt bei der Sparkassenfiliale in Vagen.
Der Preis pro Person beträgt 16 €
Ermäßigung gibt es für Schüler/Studenten/Auszubildende: 12 €

weitere Infos unter: www.kunst-kulturraum.de

Theater Vagen Manuel Braun Hans Schuler Kunstverein Vagen Kunst- und Kulturraum Vagen e.V. Theater Sommer Theatersommer Vagen Vagener Theatersommer

Wie ich dem Huhn den Hasen erkläre



Wie man dem Huhn den Hasen erklärt

(How to Explain the Hare to the Hen)

Ein Theaterstück

2014 | Manuel Braun

Nächstenliebe – Eine deutsche Bestandsaufnahme

Klavier und Stimme: Manuel Braun

Am 26. Mai 2014, zwei Tage nach der Europawahl, veröffentlichte eine bayerische Tageszeitung auf ihrem online Portal einen Artikel über die Nutzung eines Gasthofs an einem Badesee als Asylbewerberunterkunft. Der Artikel wurde auch auf der Facebookseite des Nachrichtenportals verlinkt. Die hier vorgetragenen Kommentare, stammen chronologisch aus dem Facebook-Kommentarverlauf.
Es handelt sich dabei um eine ganz normale, regionale Tages/Nachrichtenseite.
Der Facebookpost wurde mittlerweile entfernt.
Der original Artikel findet sich hier und hier die Facebookseite.

auseinander

A8

    iPhone – unedited

|-

Romania

I stayed a week at the 4th Age Community Arts Centre
A home for the elderly run by the jewish community in Bucharest.
We talked about community arts and how it could improve or add something to the life of the people there.

I went a little “off road” to the unrenovated and abandoned part/floor of the home. that’s where most of the pictures were taken.
Thanks for having me. What a wonderful experience.
Love you.

-photos taken with rolleiflex / kodak ektar & kodak portra

Aufschrei

Es ging etwas kaputt in mir. Weil ich naiver war als ich dachte.
Menschen wollten mir meinen Aufschrei als Selbstdarstellung widerspiegeln.
Als politische Geilheit. Meinung als Mode. Oder drängten mich in die klassische Opferrolle.
Da bist du selbst schuld wenn du so bist dort hin gehst dich dort anmeldest das denkst.
Mir und dir den Mund verbieten.
Das alles ist ein permanenter Schwanzvergleich.
Aber was ist wenn ich dir sage dass ich keinen habe?
Und ich starre Nachts an dunkle Schatten und bin traurig
über den Mangel an Taktgefühl und Selbstreflexion in unserer Gesellschaft.

Ich bin kein wissenschaftlicher Mitarbeiter.
Ich kenne keine Möbel in Gender Laboren.
Es gibt genaue Zahlen und genaue Strukturen,
genaue Gründe, Tatsachen und Erfahrungsberichte.
Je tiefer man blickt um so weiter streut sich das Feld,
der Kern geht paradoxerweise im Detail verloren.

Fasst man es groß. Betrachtet man es von ganz oben.
Bleiben nur wir. Wir alle. Eine kleine Gruppe an Menschlein.

Menschen die Macht gegeneinander ausüben.
Du gehörst mir.
Unterwerfung. Zwang.
Ich stelle mich über dich. Körperlich. Geistig.
Ich drücke. Du kniest.
Ich besitze.

Wir benutzen den Unterschied um uns das zu erlauben.
Ich darf das, denn du bist anders als ich. Du siehst anders aus. Du liebst andere Menschen als ich.
Ja sogar dein Geschlecht ist ein anderes.

Ich weiß nicht was ein Geschlecht ist. Ich habe vergessen wie das geht.
Es wäre Zeit blank zu ziehen um zu sehen was dahinter liegt.

In diesem Heute. In diesem hier und jetzt hat dieses alte Machtspiel nichts mehr verloren.
Mut und Kraft allen die helfen dieses Gefüge zu stürzen.
Denn der Papst ist ein Ficker. Aber christliche Werte deshalb auch?
Ich onaniere mit dem Kruzifix.

Ich bin der Gespräche satt. Die gefällige Hoffnung.
Die endlose Debatte.
Wann kommt der radikale Schritt. Der Spitzentanz bis die Zehen brechen und
ich die Bänder neu um die Waden schlinge um mir noch länger Halt zu verschaffen.
Ich hoffe etwas wird kommen um uns zu retten.
Und dieses etwas werden wir sein. Völlig nackt.

Wir alle laufen auf Krücken weil das Leben viel zu holprig ist um ohne Hilfe zu gehen.
Wer mich trägt bestimme ich.
Berühr mich an meinen dicken Schenkeln an meiner zu kleinen Brust.
Mein Makel ist das schönste was ich habe.
Es gehört dir wenn ich es dir gebe.

Ich binde mich an mich selbst. Lasse mich binden an so viele Körper die ich will. wenn du willst.
wenn wir es wollen.

Mein Schwanz ist kein Verkaufsobjekt.
Er ist mein Spielzeug.
Er ist nichts bedrohliches.
Dein Körper ist keine Einladung.
Für niemanden.
Wir bleiben bei uns. Und jeder Schritt. Jedes Muskelzucken wird aufeinander abgestimmt.
Du kommst vor. Ich gehe zurück. Ich berühre du erwiderst. Angezogen, Abgestoßen, Aufgeprallt.
Es gibt keinen Text. Kein Regelwerk.
Es gibt nur das Gespür. Das genaue hinhören, fühlen und horchen. In dich und in mich hinein.

Viele Reden und Wissen es besser.
Besserwisserei und soziale Interpunktion ist ein Korsett das meine Brust einschnürt.
Nicht weil es mir den Atem nimmt sondern meine Brust verbirgt.
Ich kann das nicht mehr hören.
Ich bin der Worte müde. Ich kann nur noch tanzen.

Morbus Crohn

Wer meinen Morbus Crohn Artikel lesen will bitte hier klicken Read the rest of this entry »