Theaterblog

by admin

Ich falle gleich mal mit der Tür ins Haus: “Etwas wie den Theatertreffenblog sollte es das ganze Jahr über geben.” Punkt.

Jedes Medium beschäftigt sich auf seine Weise mit Pop- und Jugendkultur.
Diverse Blogs und Magazine schreiben über Kunst, Kultur und unser modernes Leben. Angefangen über die umfangreiche Berichterstattung über Musik und Mode, bis hin zu unserem alltäglichen Lifestyle, Fotografie, Literatur und natürlich dem Film. Egal ob im Fernsehen, im Rundfunk, gedruckt oder digital veröffentlicht – ein Thema kommt immer zu kurz bzw. wird es meistens ganz in der Liste vergessen. Das Theater.
Selbst bei meinem persönlichen Nonplusultra Radiosender FM4 der es sich gerne auf die Fahnen schreibt jeden Winkel zu beleuchten und kein Thema auszulassen werden Filme, Bücher und Webtipps ausführlich besprochen und rezensiert, doch wann habe ich dort das letzte mal eine Kritik oder Berichterstattung über einen Theaterabend gehört?

Ich will nicht weiter auf die “klassischen” Medien eingehen, denn dort findet sich hier und da eine kleine Perle die sich auf gutem Wege dem Theater öffnet.
Was mir aber fehlt ist Theater im Internet. Vor allem in Blogs.
Denn natürlich gibt es gedruckte Fachzeitschriften, wie die “Theater heute“, die mit einem kaum zu übertreffenden, professionellem Auge auf Deutschlands Bühnen schaut und diese nahezu wissenschaftlichen und seitenlangen Beobachtungen auch online zur Verfügung stellt. Und das ist auch gut so und wichtig. Das gleiche gibt es für die Musik und gibt es für den Film. Nur werden Musik und Filme auch privat und ganz subjektiv in Blogs besprochen (und ich brauche an dieser Stelle ja nicht zu erklären dass das noch einmal etwas ganz anderes und genauso wichtig und interessant gegenüber einem Fachblatt ist.)

Gerade deshalb tut es so gut auch im Bereich Theater einmal ein paar Worte und Sätze zu lesen, die nicht den Altmeistern huldigend, nach staubiger, bitterernster Theatertheorie klingen. So schreibt zum Beispiel Judith Liere in ihrem Theatertreffenblog Artikel:
“Es fällt mir schwer, mir das vorzustellen. Noch schwerer fällt es mir allerdings, in meinen Kopf zu bekommen, dass die Künstler, die sich zur Preisverleihung auf der Bühne versammelt haben, mal die jungen Wilden waren, die das Theater revolutioniert und umgekrempelt haben. Dass Peter “gähn” Stein, dessen letzte total revolutionäre und voll wilde Idee darin bestand, einfach mal keine Striche in die Textfassung zu malen, einmal neu und modern war.”

Lange Rede, kurzer Sinn. Was ich eigentlich sagen will klingt jetzt vielleicht mehr als moralisch, aber: Liebe Internet Gemeinde und junge Leute
die ihr das hier lest, ich weiß dass ihr filmsüchtig seid, hunderte Modeblogs abonniert habt, euch musikalisch ständig auf dem Laufenden haltet, die guten Kopfhörer immer dabei und zu Hause Vinyls genießt und Songzeilen verehrt, ihr liebt das geschriebene Wort egal ob in 140 Zeichen oder in ellenlangen Artikeln und Büchern, ihr mögt es tieftraurig, alltagskomisch, banal und philosophisch, ihr hortet seltene Filmplakate und taucht nach Perlen fernab Hollywoods, ihr pilgert in Ausstellungen und Museen und durchwühlt Tumblr nach neuen Design Ideen.
Und deshalb. Bitte: Vergesst Das Theater nicht!

Leider erwische ich mich oft mit den Worten: “Ey, Theater ist gar nicht so langweilig wie du denkst. Versuchs mal.”
Ganz ehrlich. WTF? Denn zumindest für mich ist Theater von allen Dingen die ich hier aufgezählt habe das großartigste. Mit Abstand.
Natürlich gibt es auch verdammt öde Theaterabende. Aber dennoch ist es schon mehr als einmal vorgekommen dass mich ein Theaterabend so gefickt hat, dass ich nicht mehr wusste wo ich mein Auto geparkt habe.
Die meisten Schauspieler sagen: “Film fürs Geld und Theater fürs Herz”. Ich liebe Film keine Frage. Doch darüber haben schon viele gesprochen. Dieser Artikel gehört dem Theater. Gehört den Brettern auf denen es viel politischer und tagesaktueller zugehen kann als in jedem Film. Gehört den Menschen die dort oben über Stunden hinweg eine Figur spielen, die schwitzen, schreien und lachen. Gehört den vielen Diskussionsrunden die davor, danach und in den Pausen stattfinden. Gehört den Regisseuren die täglich ihre Blicke schärfen und immer etwas transportieren und nie einfach nur unterhalten wollen. Gehört all den kreativen Menschen, den überquellenden Aschbechern, den hochgestochenen Ratschlägen und provokanten Wunschvorstellungen. Und vor allem gehört es den Fragen die das Theater täglich aufwirft und uns auf der Suche nach der Antwort to life, the universe and everything begleitet.

Aber ich mache mir keine Sorgen um das Theater. Denn das Theater hat einen entscheidenden Vorteil mit dem es sich von allen anderen unterscheidet.
Es ist (zumindest im Moment) Undigitalisierbar. Aufzeichnungen und Mitschnitte funktionieren nicht, höchstens als Wissenschaftliches Dokument.
Theater funktioniert abgefilmt in etwas so gut wie ein Konzert wenn nicht sogar deutlich schlechter. Jeder Abend ist einzigartig. Und jede Inszenierungen nur für ein paar Monate vorhanden. Kunstwerke deren Anwesenheit zeitlich und örtlich begrenzt ist. Und auch das ist gut. So versperrt nichts Altes dem Neuen den Weg. So muss jede Generation seine eigene Stücke schreiben und seine eigene Sicht auf Shakespeare und die alten Griechen werfen.
Und jeder der es versäumt dabei zu sein ist aber so was von selbst schuld. Bääh.